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getextet

Ach Eva


Wunderbar
Kirschblüte
Oldtimer-Auto
eigenwillig
Animateur
Erfrischend
Kopfkissen
Seemöwe
Kieselstein
Honig

Ich mir vor wie ein billiger Animateur auf irgend so einer gottverdammten Ferieninsel. Nicht dass ich jemals so ein Pauschalangebot gebucht hätte. Ich stehe mehr auf Individualreisen. Mit dem Kamel durch die Wüste, mit dem Zelt auf dem Rücken durch den Himalaya und solche verrückten Dinge. Schau mich nicht so an! Glaubst du mir etwa nicht? Ich habe nicht gesagt, dass ich so etwas jemals getan habe - ich meine nur, es würde mir besser gefallen. Vielleicht sollte ich sie zu einem Trip der Extra-Klasse mit meinem Oldtimer-Auto einladen. Wer hat schon noch einen Original- Käfer? Oh, Mann! Ich pflege dieses Teil ohne Ende. Es ist so ein Sahne-Stück. Eine Tour mit ihr an die Nordsee, entlang an Feldern, Wiesen und Seen, entlang an Kirschblüten und Apfelbäumen. Und wenn wir dann dort sind, breite ich die Decke aus, hole den Picknick-Korb heraus samt Brötchen, Butter, Honig, Marmelade, Salami, Schinken, Äpfel, Erdbeeren. Seemöwen über uns, Kieselsteine unter uns und Bingo, die Frau ist endlich mein! Und wenn das nicht hilft, singe ich ihr ein Liebeslied. Oh, Gott – das würde furchtbar klingen! Aber vielleicht hätte sie dann erbarmen mit mir und nimmt mich aus lauter Mitleid. Nee, das ist auch nicht die Lösung. Aus Barmherzigkeit gevögelt. Obwohl?
Lass mich sehen. Ich habe sie zum Kino eingeladen und ihr eine Mega-Portion Popcorn spendiert, ich habe ihr Fahrrad repariert, ich mache ihr am laufenden Band Komplimente, ich bin sogar beim Shoppen dabei gewesen. Wahrscheinlich hält sie mich jetzt für schwul. Ja, ja der gute alte liebe Freund, dem man das Ohr abkauen kann. So eine Kacke. Hey, und ich sehe gar nicht mal übel aus. Ich gehe zweimal die Woche ins Fitnessstudio, habe ne trendige Friseur, bin beliebt – so weit ich das abchecken kann. Mehr kann man dieser Frau doch echt nicht bieten. Und das mag jetzt eingebildet oder chauvinistisch klingen, aber ich bin BWL-Student und habe die besten Aussichten auf eine steile Karriere.
Es ist echt zum Kotzen. Wahrscheinlich bin ich ihr zu aalglatt. Hey, weißt du was? Verliebt sein ist Scheiße. Und überhaupt, warum zieht sie ausgerechnet in unsere WG? Es gibt doch echt genug davon! Ich meine, mein Leben war vorher in Ordnung. Ich hatte zwar keine Freundin, aber mein Gott, ich konnte mir hier und da abhelfen. Und jetzt. Gar nix mehr. Ständig muss ich an sie denken! An ihr etwas eigenwilliges, aber erfrischendes Lächeln, an ihre langen, lockigen Haare, an ihren geilen Arsch, an ihren Gang. Hm.
Neulich schaute ich in ihr Zimmer. Ich wollte sie mit einem kleinen Frühstück überraschen. Da sah ich sie. Ihre Haare lagen wie dekoriert auf dem Kopfkissen. Es war wie in einem wunderbaren Märchen. Stelle dir dazu noch so eine kitschige Filmmusik vor und dann, hat die Platte auf einmal einen Sprung und quietscht. Denn genau das ist passiert. Es hat gequietscht. Die Hand, die ich sah, war nicht ihre. Das Bein auch nicht.
Das war also meine erste Begegnung mit ihrem neuen Freund. Wie wunderbar!

Der Andere


Paradiesvogel
bombastisch
Dampfer
Kindergeburtstagsfeier
Säge
Haustür
Erdball
Saubohne
Seilspringen
gurgeln

Auf Jonas‘ Kindergeburtstagsfeier kam ich mir wie ein Paradiesvogel vor. Kein Wunder, ich war männlich und um die 30 Jahre älter als die anderen geladenen Gäste und eigentlich ja auch nicht wegen Jonas, sondern eben wegen Jutta da. Jutta – Jonas Mutti – Singlefrau mit fantastisch blauen Augen! Eine Traumfrau! Meine Traumfrau!
Jetzt – in diesem Moment – lächelt sie mich an und ich schmelze dahin. Jutta! Sie klappt den Flügel auf und winkt mir zu. Ich weiß, was jetzt kommt. Jonas Klavierlehrer spielt allen ein Ständchen! Ich schlendere zu ihr, so gelassen wie nur irgend möglich und setze ein dämmliches Grinsen auf. Ja, natürlich spiele ich für meinen Lieblingsschüler ein Geburtstagständchen. Selbstverständlich!
Jutta beruhigt die Meute und sagt mich an. Alle applaudieren. Abwarten! Mich erst mal spielen hören!
Ich setze mich gekonnt ins Licht und schwebe förmlich über den Tasten. Yann Tiersens Werke machen es mir einfach und sind doch für jedes Frauenherz das Richtige, so hoffe ich! Tatsächlich die Damen sind begeistert. Vorneweg Jutta. Bombastischer Applaus. Allerdings nicht von den Kindern.
Zwei Mädchen streiten sich gerade um ein Springseil. Es sind die einzig geladenen. Jonas hat ganz guten Geschmack – was das Aussehen betrifft. Das Gezicke ist natürlich nervig! Jonas tollt mit Ludwig und Fritz herum. Sie spielen böse gegen gute Aliens. Mein Gott, zu meiner Zeit haben wir noch Cowboy und Indianer gespielt.
Jutta ruft die Kinder zusammen. Sie hat einen Wettkampf vorbereitet. In einer großen mit Wasser gefüllten Schüssel schwimmen Saubohnen herum, die man innerhalb von einer Minute mit dem Mund herausfischen soll. Zwei Mannschaften treten gegeneinander an. Es fehlt ein Kind. Die Zahl ist ungerade.
Ich ahne was jetzt kommt! Jutta lächelt mich an! Mit ganz großen Augen. Mit ihren süßen, süßen Augen. Das kann sie doch nicht erwarten! Ich bin zu alt für solche Sachen. Etwas Unausgesprochenes liegt in der Luft. Bis – ja bis sich Alexander zwischen uns drängelt. Alexander – Vorzeige-Papa von Ludwig – da alleinerziehend! Und dennoch vollzeitarbeitend. Ja, wie der sich aufopfert – hört man sagen!
Er bietet sich an! Dieses Arschloch!
Das Spiel beginnt. Jutta macht Fotos! Die Mamas treiben ihre Sprößlinge an. Großes Geschrei! Gelächter! Spaß! Alexander besudelt sich! Hält sich aber nicht schlecht! Seine Mannschaft gewinnt! Jonas ist auch in Alexanders Mannschaft! Jutta umarmt Alexander!
J U T T A U M A R M T A L E X A N D E R !
Meine Stimmung sinkt. Sie spielen weiter. Einer aus der Mannschaft muss ´ne Melodie gurgeln und die anderen müssen sie erraten. Alexander versagt! Ist wohl doch nicht so toll, der Alexander! Ich hätte das tausendmal besser gemacht!
Jutta ist in Fahrt. Sie lädt alle in den Garten ein. Vor der Haustür wird Eierlaufen veranstaltet. Gefolgt von Sackhüpfen und Topfschlagen.
Gegen sechs schmeißt Alexander den Grill an. A L E X A N D E R ! Der Mann für alle Fälle oder was? Bin ich etwa kein Mann? Natürlich nicht! Ich schenke Jonas ein neues Notenheft, während Alexander einen tollen Dampfer als Präsent mitbringt. So sieht es aus! Echte Männer werden gebraucht! Die starke Schulter, die mindestens schon dreimal den Erdenball umwandert hat und hinterher einen Haufen Holz mit der Säge bearbeitet!
Ich komme auch gleich mit der Säge an! Aber mit der M O T O R S Ä G E!

Die Croissants von Chaumont


Chaumont
selbstgefällig
Schokolade
eisenhart
Boxen
Enttäuschung
Standuhr
Luft
wandern
vier

In der kleinen Stadt Chaumont in der Region Champagne-Ardenne am Rande des Plateau von Langres wohnt Philippe Bouchardon, von dem man behauptet er sei ein Nachkomme des berühmten Bildhauers gleichen Nachnamens. Philippe ist ein kleiner selbstgefälliger Bäckermeister dessen Croissants einen guten Ruf haben, besondere Empfehlung genießen jene, die mit Schokolade gefüllt sind. Noch bekannter ist aber die grißgrämige Natur Bouchardons. Manche der Gäste kommen nur von weit her gereist um diesen Kauz in Aktion zu erleben und hegen dann eine regelrechte Enttäuschung, wenn der kleine Mann wider seiner Natur es mit freundlichen Blick, statt eisenharter Kommentare versucht. Dann schüttelt Philippe den Kopf und sagt wirsch „Diese Leute! Wir sind hier doch nicht beim Boxen! Und ich bin nicht der Preisrichter!“
Eines Tages bat der alte Mann seinen Neffen Richard um seine Vertretung. Er fühlte sich nicht sonderlich wohl und wolle sich ein wenig auskurieren. Richards Gesicht wurde bleich. Das kannte er von seinem Onkel nicht. Es musste sich um eine wirklich ernste Erkrankung handeln. Er wollte den Arzt rufen, aber Philippe bellte ihn vom Bett aus an, er solle nicht gleich so einen Wirbel machen, bei einem kleinen Husten. Sie diskutierten heiß miteinander, aber wie immer ließ der junge Mann seinen Onkel gewähren.
Mit ernster Miene und belehrendem Ton sagte er zur Schlafstätte gewandt: „Es ist dunkel und stickig hier. Wenn ich du wäre, würde ich mich nicht über ein bisschen Husten beklagen. Ich hätte Kopfschmerzen!“
Der Alte nahm ein Kissen und warf es Richard mit Wucht entgegen. „Du junger Lümmel! Du Tunichtsgut! Hat dich jemand nach deiner Meinung gefragt?“, pollterte es aus ihm raus.
Richard duckte sich und lachte. Das Kissen fiel gegen die alte Standuhr und der Kuckuck trällerte drauf los! „Kuckkuck! Kuckkuck!“
Der Alte schimpfte und schimpfte und wirkte dabei doch zu komisch. Ja, irgendwie liebenswert. Richard hielt das Pendel an. Der Kuckuck verstummte. Mit einem väterlichen Ton wendete sich der junge Franzose an Philippe: „Die Uhr stört dich doch immer beim Schlafen, es ist besser, wenn sie aus ist. Wenn es dir wieder gut geht, repariere ich sie dir. Versprochen.“
Er ging zum Fenster und öffnete so weit es ging die Flügel. „So und jetzt, genieße die frische Luft!“
Bouchardon krummelte vor sich hin und zog die Decke bis an seine Nasenspitze. „Du wirst schon nicht erfrieren! Draußen scheint die Sonne. Wir haben Frühling!“
Mit diesem Satz verabschiedete sich Richard und ging runter in den Laden. Er öffnete die Türen, stellte eine kleine Bank und ein Tischchen hinaus und holte die warmen Brötchen aus dem Ofen. Wie gut, dass er gerade aus Paris heimgekehrt war, um ein bisschen Urlaub zu machen. Eigentlich wollte er wandern gehen und die Natur genießen und nicht im Laden aushelfen, aber irgendwie ist das auch ein bisschen wie Ferien.
Er räumte die Speisen ein und wartete auf die ersten Gäste.
„Vier Croissants bitte, Monsieur!“

Im Wickelraum des Restaurants


Laubfrosch
Hürdenlauf
Froschquacken
Bürgerentscheid
Arsch
Festival
Rossmann
Open
blaugrau
Wickelraum

Im Wickelraum des Restaurants – ja, es gab einen, ein Räumchen um genauer zu sein, eine Art Separee, vielleicht um die 6 Quadratmeter – fehlte das Papier! Und Hannes hatte die Windeln voll. Richtig voll! Wie ein Großer! Helga beugte sich über Hannes, streichelte sein Bäuchlein, überlegte kurz, ob sie den Kleinen für Sekunden allein lassen kann und bewegte sich daraufhin flüchtig zu den Toiletten, um etwas Toilettenpapier zu erhaschen. Hannes schrie! Fürchterlich! “ Ist ja schon gut, mein Süßer!“, flötete Helga und tippelte zurück. „Ich bin ja da, Mami ist da!“.
Hannes hatte sich in seiner eigenen Scheiße gewälzt. Aber er lachte zufrieden als Helga vor ihm stand. Helga war nicht zu lachen. Sie war abgespannt und überfordert und immer wieder musste sie seine Schreie - Hannes Schreie - ertragen. Sie fühlte sich völlig im Arsch, griff etwas widerwillig nach den Füßchen und wischte den Po sauber. Hannes quickte vergnügt und sah dabei aus wie ein Laubfrosch, der auf dem Rücken liegt. Die kleinen blasen, ja fast blaugrau wirkenden Beinchen links und rechts in die Höh gestreckt, die Händchen im Takt der Musik, welche sanft aus dem Lautsprecher der Sanitäranlage dringt, leicht von unten nach oben bewegend, und der Mund ab und zu zu einem langen breiten Lächeln verzogen. Er hatte für ein Baby ganz schön wulstige Lippen, es fehlte nur noch dass er ein Froschquacken – Konzert gab! War Hannes eigentlich ein hübsches Kind? Wenn er weiterhin so fett bleibt, wird er später zumindest keinen Hürdenlauf gewinnen. Aber man sagt ja, dass Babyspeck eine völlig normale Begleiterscheinung sei und sich das Ganze noch rauswächst.
Die kahle Stelle am Hinterkopf ihres Söhnchens gefiel Helga gar nicht. „Der Junge liegt zu viel!“, denkt sie bei sich. „Sieht aus wie bei einem glatzköpfigen Politiker! Nicht, dass der noch so einer wird! Einer, der große Reden schwingt und von den ernsthaften Problemen des kleinen Mannes keine Ahnung hat. Einer, der Bürgerentscheide ganz schnell vom Tisch fegt und sich schmieren lässt, einer der an sein Glück als erstes denkt und am Ende seine eigene Mutter ins Altersheim abschiebt! Hoffentlich nicht!“ Da ist ihr doch ein Hippie lieber. Einer, der von Festival zu Festival zieht und ihr jedesmal etwas Kleines mitbringt, einer der Frauen und Männer gleichermaßen liebt und auf der Bühne ordentlich rockt, einer, der hochgescheid ist und Empathie besitzt. Der darf bloß nicht an dieser grausamen Welt verzweifeln, der muss sich doch auch ein bisschen durchsetzen können. Auf jeden Fall ist Helga für Selbstbestimmung und das bereits von Kindesbeinen an.
Hannes schreit! „Was hast du denn, mein Kleener? Bist frisch gewickelt, hattest gerade deine Milch. Alles bestens oder?“ Helga nimmt Hannes in den Arm. Sie wiegt ihn hin und her. „Schschscht!“, sagt Helga und „Bschschscht!“ sagt Helga und „Ist doch alles jut“. Hannes schreit. Helga summt ein Wiegenlied und läuft ein Stück. Sie trägt Hannes zum Fenster und schaut hinaus. „Manchmal könnt ich dich…“, sagt Helga voller Ungeduld und stockt. „Nein, so was darf man nicht denken! Und nicht sagen. Sagen schon gar nicht!“
Helga schaut raus. Gegenüber befindet sich ein Klamottenladen. An der Ladentür steht dick und fett „open“. Eigentlich könnte sie sich doch mal wieder einen schönen Rock leisten. Und danach geht’s zu Rossmann Windeln kaufen!

Schwermetallüberfluß


kleiderschrank
béchamelsauce
op-klemme
sonnenuntergang
kuh
kalender
chromoxid
schwermetall
redundanz
14

Mit 14 wollte sie noch nicht unter der Anwesenheit von übermäßig vielen Schwermetallen in ihrem Körper leiden. Aber irgendwann musste es so kommen. Es war quasi unausweichlich. Eine natürliche Folge unnatürlicher Einflüsse, die man hätte vorhersehen - und vor allem verhindern - können. Jetzt liegt sie hier in ihrem kargen Einzelzimmer wie eine Aussätzige und langweilt sich. Da hätte sie auch gleich das Fläschchen Toner trinken können, welches neulich offen in der Anwaltskanzelei ihrer Mutter stand. Das in dieser köstlichen Flüssigkeit befindliche Chromoxid hätte ihre Niere sicher ebenfalls angefressen, aber vielleicht wäre das ganze mit weniger schizophrenen Verhaltensstörungen einhergegangen.
Morgen wird sie operiert. So eine Scheiße. Sie starrt den Kleiderschrank an und hofft, dass man in ihr nicht so eine OP-Klemme vergisst wie neulich bei dieser einen Frau. Die Wörter in ihr scheinen sich im Kreis zudrehen und ständig zu wiederholen, so als ob man ein Band mehrfach abspult. Dabei enthält jedes zweite Wort scheinbar keine Information. OP-Klemme – Tischbein – OP-Klemme –Indianer– OP-Klemme – Sonnenuntergang. Eine große Redundanz macht sich ihrem Hirn breit.
Derweil würde sie gern Kartoffeln mit Bechamelsauce essen. Dazu frische Kräuter aus dem eigenen Garten. Petersilie, Basilikum, Schnittlauch. Aber wer weiß, vielleicht hatten genau diese Kräuter zu viel Schwermetall aus dem verseuchten Boden aufgesogen und sind verantwortlich für ihren miserablen Zustand.
Auto-Immun-Erkrankungen sollten verboten werden. Und Schwermetalle auch!
Sie schaut in ihren Kalender. Ihre Schwester hat heute Geburtstag. Sie wird 18. Und sie wird diesen Tag feiern, die blöde Kuh! Eine Riesenparty wird das! Und ihre Eltern werden sie nicht besuchen und morgen auch nicht und übermorgen…
Wer weiß was übermorgen ist. Übermorgen wird wahrscheinlich eine OP- Klemme in ihrem Bauch entdeckt!

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News


07.03.2010: Vernissage zur Ausstellung im Listhus, Maxen


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